Tiergesundheitsmonitoring

By Henning Lehnert, Redakteur der TopAgrar

Dieser Artikel ist der TopAgrar 5/2009 (S.12-17) entnommen.

Ferkel mit Gesundheitszeugnis

Die Dänen werben beim Ferkelexport mit Tiergesundheits-Zeugnissen. Um ihnen Paroli zu bieten, arbeiten auch bei uns immer mehr Vermarkter an Zertifikaten zur Tiergesundheit.

Große Ferkelpartien einheitlicher Herkunft mit defininiertem Gesundheitszustand und guten Masteigenschaften - das ist es, was Mäster heutzutage verlangen. Kurzum: Ferkel, die in der Mast "problemlos funktionieren".
Deshalb reicht es vielen Mästern nicht nur den Impfstatus der Ferkel zu kennen. Vielmehr wünschen sie sich einen tieferen Einblick in den Gesundheitsstatus der Sauenherde ihres Ferkelliferanten. Am liebsten wäre ihnen ein Begleitpapier, aus dem hervorgeht, dass die Ferkel in punkto PRRS, Circo, Salmonellen und Dysenterie unverdächtig sind.

Tiergesundheit spielt eine zentrale Rolle

Fakt ist, dass die Tiergesundheit bei der Ferkelvermarktung inzwischen eine zentrale Rolle spielt. Und wenn langjährige Ferkelerzeuger-Mäster-Ehen in die Brüche gehen, dann oftmals deshalb, weil es tiergesundheitliche Probleme gab.
Aus diesem Grund beschäftigen sich auch bei uns immer mehr Vermarktungsorganisationen mit dem Aufbau von Tiergesundheits-Monitoringsystemen. Sie lassen in ihren Mitgliedsbetrieben in regelmäßigen Abständen Sekret- bzw. Kotproben nehmen und auf bestimmte Erreger untersuchen. Anhand der Ergebnisse werden die Betriebe dann kategorisiert und bei einigen Programmen spezielle Gesundheits-Zertifikate vergeben.

  • Neuinfektionen und die Vermehrung bestimmter Erreger im Bestand lassen sich früher erkennen. Gegenmaßnahmen können früher ergriffen werden;
  • Impf- und Behandlungsmaßnahmen können so kontrolliert und bei Bedarf zeitnah korrigiert werden;
  • Screenings verbessern die Lebensmittelsicherheit und bieten dem Landwirt bzw. dem Vermarkter Sicherheit im Rahmen der Produkthaftung;
  • Monitoring-Systeme optimieren den Informationsfluss zwischen Ferkelerzeuger und Mäster. Beide können ihr Gesundheitsmanagement besser aufeinander abstimmen;
  • Sie schaffen Kundenbindung zwischen Ferkelerzeuger und Mäster durch Transparenz und dienen der Absatzsicherung;
  • Und dem Vermarkter liefern sie wertvolle Informationen darüber, welche Herkünfte gemeinsam vermarktet und transportiert werden können.

In Deutschland sind inzwischen verschiedene Monitoring-Projekte für die Ferkelerzeugung angelaufen.

Monitoring der EGF

Die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsferkel im Raum Osnabrück (EGF) hat bereits im Herbst 2007 ein Tiergesundheitsmonitoringsystem verpflichtend für alle 109 Ferkelerzeugerbetriebe eingeführt. Im Rahmen des EU-Projektes "Q-PorkChains" müssen Landwirte zweimal jährlich eine serologische Untersuchung ihrer Herden auf Salmonellen- und PRRS-Antikörper durchführen lassen. Bei Auffälligkeiten erfolgen weitergehende PCR-Untersuchungen. Die Untersuchungen führt das IVD in Hannover durch.
Ergänzt wird das Screening durch "flankierende Maßnahmen". Dazu gehört unter anderem alle sechs Monate eine Betriebsbegehung, der so genannte ITBS-Check (Integrierte Tierärztliche Bestandsbetreuung). Dabei werden u.a. das Impfprogramm, die Ekto- und Endoparasitenbekämpfung, die Sauenplanerdaten sowie klinische Erscheinungen und der Fütterungszustand der Tiere beurteilt bzw. boniert. Die Daten werden handschriftlich erfasst, per Schrifterkennung eingelesen und in einer Datenbank der Dresdener Firma "Qualitype" verwaltet. Weitere flankierende Maßnahmen: Die EGF-Betriebe werden ausschließlich mit APP-, PRRS- und Mykoplamen-unverdächtigen Jungsauen bzw. von PRRS-freien Besamungsstationen beliefert. Die Jungsauen-Vermehrer werden dazu von der EGF auditiert.
Die Probenentnahme und der ITBS-Besuch werden vom Hoftierarzt durchgeführt. Die Kosten der Basisuntersuchung trägt der Ferkelerzeuger. Alle weiterführenden Untersuchungskosten werden von der Erzeugergemeinschaft übernommen. Unter dem Strich bleibt für die Betriebe eine Eigenbeteiligung von 400 bis 500 € pro Jahr.